random insanity

Und ich vergesse nie den Mond.



Er ist fast schon sadistisch, wie er über und hängt, erhaben über jedwedes Leid, das uns widerfahren mag. Mehr noch: er bescheint es selbst noch in Zeiten, in denen sich ein milder Schleier der Dunkelheit und des Vergessens über die schlafende Welt legen sollte. Doch diesen Gefallen tut er keinem von uns.



Sollte ein Bruchstück des Unheils auch ihn erreichen, all die Myriaden von Zentimetern hinter sich bringen, so prallt es wirkungslos an dessen zerfurchten Fassade ab. Würde es ihn kümmern, was es nicht tut, so bleibt ihm immer noch die Möglichkeit, nach eigenem Gusto und Ermessen zu verblassen. Er verliert solange Konsistenz, bis einzig und allein eine Sichel an seine Existenz erinnert. Dann Stille, Dunkelheit. Ein Moment in dem die Erde aufatmen kann, alle Schandtaten verborgen sind, alles Elend ausgeblendet, verdrängt werden kann. Ein kurzer unendlich kostbarer Moment für die Liebenden, die diesen Augenblick ihren eigenen nennen können, ohne die spöttische Fratze des Mondes fürchten zu müssen.



Denn ich vergesse nie den Mond.



Wie er alles sieht, teilnahmslos, statisch, ein Götze eines vergessenen Kultes. Seine Krater sind Narben von vergangenen Tagen, sie zeugen von all dem Leid was er mit ansehen musste. Von hier oben sieht man vielleicht nicht das Detail, aber das Gesamtbild erscheint umso surrealer. Er spürt sie wie Millionen kleine Nadelstiche: Die angsterfüllten Blicke, von denen sie Sekunde um Sekunde Aberdutzende zu ihm hinaufwerfen. Er ist, was sie verdammen. Sie sind, was er sich sehnlichst wünschen würde. Sie sagen, er bliebe verschont; er findet, er sei so unendlich einsam. Mühsam unterdrückter Zorn macht sich in ihm breit. Wenn er könnte, würde er Spiegel vom Himmel regnen lassen um ihnen ihre wahren Gesichter zu zeigen, ihnen ihr absurdes Dasein vor Augen führen. Doch er kann nicht, er kann gar nichts. Außer auszuharren und zu warten. Warten auf seinen Tag.



Denn der Mond vergisst uns nie.